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Zitat von Wilhelm Busch

Lehrer Laempel "Also lautet ein Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß.
Nicht allein das Abc
Bringt den Menschen in die Höh,
Nicht allein im Schreiben, Lesen
Übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
Soll der Mensch sich Mühe machen;
Sondern auch der Weisheit Lehren
Muß man mit Vergnügen hören."

Daß dies mit Verstand geschah
War Herr Lehrer Lämpel da.

aus: Max und Moritz (1865) - Vierter Streich

Als Gott die Lehrerin erschuf

Als der Liebe Gott die Lehrerin schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien der Engel und sagte: "Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!"

Der Liebe Gott sprach: "Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen? Sie soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein, sie soll 160 bewegliche Teile haben; sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Schoß auf dem zehn Kinder gleichzeitig sitzen können, und trotzdem muss sie auf einem Kinderstuhl Platz haben. Sie soll einen Rücken haben, auf dem sich alles abladen lässt, und sie soll in einer überwiegend gebückten Haltung leben können. Ihr Zuspruch soll alles heilen, von der Beule bis zum Seelenschmerz; sie soll sechs Paar Hände haben."

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: "Sechs Paar Hände, das wird kaum gehen!" "Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen", sagte der Liebe Gott, "aber die drei Paar Augen, die eine Lehrerin haben muss." "Gehören sie denn zum Standardmodell?", fragte der Engel. Der Liebe Gott nickte: "Ein Paar Augen, das durch geschlossenen Türen blickt, während sie fragt: was macht ihr den da drüben? - obwohl sie es schon lange weiß. Ein zweites Paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll, aber wissen muss. Und natürlich noch zwei Augen hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann, das sich unmöglich benimmt, und die trotzdem sagen: Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb! - ohne dass sie ein einziges Wort spricht."

"Oh, Herr!", sagte der Engel und zupfte den Herrn leise am Ärmel, "geht schlafen und macht Morgen weiter." "Ich kann nicht", sagte der Liebe Gott, "denn ich bin nahe daran etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt. Ich habe bereits dafür gesorgt, dass sie sich selbst heilt, wenn sie krank ist; dass sie 30 Kinder mit einem winzigen Geburtstagskuchen zufrieden stellt; dass sie einen Achtjährigen dazu bringen kann, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, einen Vorschüler davon überzeugt, dass Knete nicht essbar ist und übermitteln kann, dass Füße überwiegend zum Laufen und nicht zum Treten gedacht waren."

Der Engel ging langsam um das Modell der Lehrerin herum. "Zu weich", seufzte er. "Aber zäh", sagte der Liebe Gott energisch. "Du glaubst nicht, was diese Lehrerin alles leisten und aushalten kann!" "Kann sie denken?" "Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen," sagte der Liebe Gott, "und vergessen!" Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. "Da ist ein Leck," sagte er, "ich habe euch ja gesagt, ihr versucht zuviel in das Modell hineinzupacken." "Da ist kein Leck", sagte der Liebe Gott. "Das ist eine Träne. Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit." "Ihr seid ein Genie", sagte der Engel. Da blickte der Liebe Gott versonnen: "Die Träne ist das Überlaufventil", sagt er.

(unbek.Verfasser) evtl. Prof. Hans Wenke

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